Aktien bleiben aussichtsreich

Aktien bleiben aussichtsreich

Mit der fast völligen Sorglosigkeit der Anleger ist es seit der jüngsten Korrektur erst einmal vorbei. Volatilitätsbarometer wie der deutsche VDAX New oder der amerikanische VIX notieren wieder deutlich höher als vor dem Kursrutsch Ende Januar/Anfang Februar. Diese Indizes werden auch Angstbarometer genannt.

Vor allem eine möglicherweise steigende Inflation und damit verbunden höhere Zinsen machen den Investoren Sorgen. Dafür sorgten vor allem Daten vom US-Arbeitsmarkt, der mittlerweile leergefegt ist. Das könnte zu einer Lohn-Preis-Spirale führen, so die Befürchtungen. So machte Jerome Powell, der neue Chef der amerikanischen Notenbank Fed, deutlich, dass er gegen eine Überhitzung der amerikanischen Wirtschaft vorgehen werde. Damit stehen in diesem Jahr bis zu vier Zinserhöhungen im Raum.

Die Inflationssorgen führten zu steigenden Renditen an den Rentenmärkten, was wiederum eine erste Verkaufswelle an den Aktienmärkten auslöste. Steigende beziehungsweise höhere Zinsen sind Gift für Aktien. Der Verkauf durch automatisierte Handelssysteme, die zum Beispiel beim Erreichen bestimmter, vorab definierter Verlustschwellen Aktien auf den Markt werfen, verstärkten die Korrektur.

Starke Unternehmensgewinne

Das Erstaunliche an den jüngsten Turbulenzen ist jedoch, dass die Unternehmen im vierten Quartal 2017 ausgesprochen gut verdient und die Gewinnschätzungen der Analysten übertroffen haben – und zwar in rund drei Viertel der Fälle. Die Profite der 500 größten in den USA notierten Aktiengesellschaften stiegen im Vorjahresvergleich um 14%. Die EuroStoxx-Unternehmen kamen auf ein Plus von 13%. Darüber hinaus haben viele Firmen ihre Gewinnschätzungen für das laufende Quartal bestätigt oder sogar angehoben. Steigende Unternehmensgewinne zählen zu den wesentlichen Treibern für Aktienkurse.

Auch die bis heute bekannten Konjunktur-Indikatoren geben eigentlich keinen Anlass zur Sorge. Zwar ist der wichtige Ifo-Geschäftsklimaindex im Februar etwas stärker als erwarten auf 115,4 Punkte gefallen. Doch erfahrungsgemäß ist erst ein Indexstand von weniger als 100 Zählern negativ für die Aktienmärkte.

Kein Grund zur Panik

Korrekturen sind an Aktienmärkten nichts Ungewöhnliches. Markt-Timing, also der richtige Zeitpunkt für den Ein- und Ausstieg, und eine breite Streuung sind in einem solchen Umfeld noch wichtiger als sonst. Ein zu frühes Aussteigen ist ebenso kostspielig wie ein zu spätes.

Für Aktien spricht nach wie vor die erwähnte Gewinnsituation einschließlich der überwiegend positiven Gewinnausblicke. Dazu kommt, dass Aktien wieder günstiger geworden sind. Durch den Kursrutsch sind Bewertungskennziffern wie das Kurs-Gewinn- oder das Kurs-Buch-Verhältnis spürbar gesunken. Eine etwas höhere Teuerungsrate wäre sehr wahrscheinlich für die Unternehmen sogar umsatz- und gewinnsteigernd. Denn sie dürften heute über ausreichend Preissetzungsmacht verfügen. Die Inflationssorgen könnten sich als übertrieben herausstellen.

Höhere Schwankung

Auch wenn das Umfeld für Aktien weiter überwiegend positiv ist, gibt es mögliche Risiken, die für höhere Volatilitäten sorgen könnten. So könnte die Verkaufswelle systematischer Strategien noch nicht vorüber sein. Zweitens könnte eine „Überraschungsinflation“ erneut Zinsängste auslösen und die Notenbanken zu unerwarteten restriktiven Maßnahmen zwingen. Außerdem besteht das Risiko, dass sich Konjunkturerwartungen eintrüben, was die künftigen Unternehmensgewinne belasten würde. Und viertens könnte es zu einer asymmetrischen Informationsverarbeitung der Anleger kommen: Gute Daten werden ignoriert, schlechte werden dagegen in den Aktienkursen abgebildet.

Das alles kann so kommen, muss es jedoch nicht. Unter dem Strich spricht derzeit mehr für als gegen Aktien – sie bleiben aussichtsreich.

Burkhard Allgeier hält die Position als Chief Investment Officer (CIO) von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und easyfolio inne.

 

 

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