Aktien trotzen der Zinswende

Aktien trotzen der Zinswende

Der Deutsche Aktienindex Dax hat vor kurzem wieder höher als zu Jahresbeginn notiert. Und wahrscheinlich sehen wir auch Ende des kommenden Jahres ein Plus als Vorzeichen. Denn das Deflationsgespenst zieht sich zurück. Selbst in der Eurozone beginnen die Preise aus verschiedenen Gründen wieder zu steigen. Und die Weltwirtschaft wächst 2017 voraussichtlich etwas stärker als in diesem Jahr. Keine schlechten Vorboten also für Aktienmärkte.

Eine Rolle spielt dabei der konjunkturell positiv wirkende Fiskalimpuls. Immer mehr Staaten beenden die jahrelange Sparpolitik und geben wieder mehr Geld aus – selbst das angeblich so sparsame Deutschland. Der Fiskalimpuls wird in der Bundesrepublik und in der Eurozone knapp einen halben Prozentpunkt an Wachstum liefern. In den USA ist im Zuge von „Trumponomics“ bereits von Reflationierung die Rede. Schürft man von dieser Makro-Ebene aus etwas tiefer, gelangt man zu den Unternehmensgewinnen. Die Zeit sinkender Unternehmensgewinne, die in den vergangenen Jahren außer Europa selbst den amerikanischen Aktienmarkt heimsuchte, ist überstanden.

Unsere Gewinnmodellierungen zeigen für beide Regionen eine Kehrtwende der Gewinne nach oben an. So optimistisch wie die Gewinnschätzungen von Analysten – sie erwarten für die USA und die Eurozone ein Gewinnplus von mehr als zehn Prozent in den nächsten zwölf Monaten – sind wir zwar nicht. Doch Indexsteigerungen im höheren einstelligen Prozentbereich sollten möglich sein; bei einer Übererfüllung der Gewinnerwartungen entsprechend mehr. Erst recht, wenn entgegen unserer Einschätzung die Kurs-Gewinn-Verhältnisse steigen. Am ehesten könnte das für europäische Aktien der Fall sein, denn unter Bewertungsaspekten haben sie gegenüber amerikanischen einen ansehnlichen Nachholbedarf.

easyfolio-460x060-VermoegensaufbauneuesLogo

Wenn man weiter schürft, erkennt man auch sektorale Verbesserungen. Sie haben viel mit der jüngsten Zinswende zu tun, die im Übrigen im kommenden Jahr maßvoll weitergehen dürfte – insbesondere in der Eurozone, weniger jedoch in den USA, da dort die Zinsen bereits spürbar angezogen haben und deutlich höher als in Europa notieren. Hinter den gestiegenen Zinsen standen insbesondere höhere Inflationserwartungen, weniger höhere Realzinsen. Das ist eine für Aktienmärkte und ihre Sektorperformance wichtige Unterscheidung. Höhere Inflationserwartungen geben in aller Regel den konjunkturabhängigen, zyklischen Sektoren (Grundstoffe, Industrie, Energie) besonderen Anschub. Genau dieses Muster sahen wir zuletzt. Finanzwerte (Versicherungen, Banken) konnten ebenfalls profitieren. Denn höhere Zinsen sind Balsam für ihre Gewnn- und Verlustrechnung.

Blickt man nach vorne, sollte diese maßvolle „Reflationierung“ 2017 für einige Zeit anhalten. Und damit auch die beschriebenen sektoralen Trends. Problematischer wäre es für den Aktienmarkt, wenn schockartig höhere Zinsen (vor allem Realzinsen) auftreten. Finanzwerte sind aber selbst dann die „relativen“ Gewinner. Das ist ein Risikoszenario, das Anleger im Blick haben sollten.

Was heißt das für die Asset Allocation? Europäische Aktien „schlagen“ 2017 wahrscheinlich amerikanische Aktien, erst recht europäische Anleihen. Auf dem Euro-Rentenmarkt lässt sich hingegen kaum etwas verdienen, wenn überhaupt; besser sieht es währungsgesichert für US-Anleihen aus. Ab der zweiten Jahreshälfte wird die EZB zur weiteren Normalisierung ihrer Politik, namentlich zur Drosselung ihrer Anleihekäufe, Stellung nehmen müssen. Die Erfahrungen aus den USA im Jahr 2013 zeigen, dass ein „Taper Tantrum“ für Anleihen schlecht, für Aktien gut sein kann. Und Gold muss 2017 als nicht zinstragendes und nicht gewinnabhängiges Investment eine Performance-Pause einlegen. Es scheint fast so, als wären Aktien für 2017 alternativlos.

easyfolio
easyfolio - der clevere Vermögensaufbau Hier Infopaket anfordern

Weitere interessante Artikel

  • Marktkommentar Inflation: Und sie kommt doch Inflation ist gut für Aktien – zumindest, wenn sie nicht zu hoch ausfällt. Für Anleihen sind steigende Preise dagegen Gift. Es ist Zeit, das Depot umzuschichten.
  • Monatskommentar November: Trumponomics Der November war ein ausgesprochen turbulenter Monat. Der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl mit Trump als künftigem Präsidenten veranlasste die Kapitalmärkte zu einer ruckartigen Neubewertung. (Trumponomics)