Aktienmärkte trotzen ifo-Index

Aktienmärkte trotzen ifo-Index

Ein robustes Wirtschaftswachstum ist die Grundlage für wachsende Unternehmensgewinne. Die sind wiederum die wichtigste Basis für steigende Aktienkurse. Anleger beobachten daher genau das ifo Geschäftsklima, das als der bedeutendste Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland gilt.

Hier gab es zuletzt keine guten Nachrichten. Seit seinem Rekord im November fällt das ifo Geschäftsklima – zuletzt im April von 103,3 auf nur noch 102,2 Punkte, wo sich der Index im Mai zumindest stabilisiert hat. Damit notierte der Frühindikator drei Zähler unter seinem Höchststand von vor sechs Monaten. Auch die vom Ifo-Institut ermittelten Einschätzungen bezüglich der weiteren Geschäftserwartungen und der derzeitigen Geschäftslage gingen in den vergangenen Monaten stärker als erwartet zurück. Die Daten beruhen auf circa 9.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Dienstleistungssektors, des Handels und des Bauhauptgewerbes.

Trotz des Rückgangs reagierten die Börsianer gelassen. Der Deutsche Aktienindex DAX notiert derzeit fast exakt dort, wo er auch beim ifo-Hoch vor einem halben Jahr stand. Das hat gute Gründe. Erstens signalisiert ein ifo-Index von mehr als 100 Zählern, dass die deutsche Wirtschaft weiter wächst, wenn auch nicht mehr so dynamisch wie zuvor. Im Schlussquartal 2017 expandierte die deutsche Volkswirtschaft im Vergleich zum Vorquartal noch um 0,6 Prozent. Im ersten Quartal dieses Jahres ging die Rate auf 0,3 Prozent zurück. Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, sagte zu den niedrigeren Daten: „Die deutsche Wirtschaft nimmt das Tempo raus.“

Der Rückgang beruht unter anderem auch darauf, dass das Ifo-Institut seine Berechnungsweise etwas geändert hat. Die wichtigste Neuerung ist, dass nun neben dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe und dem Handel jetzt auch der Dienstleistungssektor mit eingerechnet wird, der bisher separat veröffentlicht wurde. Das dämpft den Index etwas, macht ihn jedoch auch weniger volatil.

Zahlreiche Arbeitsausfälle

Außerdem haben auch Sonderfaktoren beim Rückgang eine Rolle gespielt. So waren eine Vielzahl von Streiktagen und ein erhöhter Krankenstand im Zuge der Grippewelle ganz profane „Wachstumsbremser“, die sich so wahrscheinlich nicht wiederholen werden. Die Rahmenbedingungen sehen somit weiterhin positiv aus.

Nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Weltwirtschaft – bedingt durch die Steuerreform in den USA und die weiter expansive Geldpolitik der Notenbanken – in diesem und im kommenden Jahr um 3,9 Prozent zulegen. In diesem Umfeld kann die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent in diesem und um 2,0 Prozent im nächsten Jahr expandieren – so die Gemeinschaftsdiagnose der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute. Damit würde Deutschland sein zweiprozentiges „Wachstumsabonnement“ erneut verlängern.

Natürlich gibt es – wie bei jeder Prognose – Risiken. Dazu zählen möglicherweise eskalierende Handelskonflikte, geopolitische Krisenherde oder weiter anziehende Rohstoffpreise. Eine dadurch angefachte Inflation ist vielleicht die größte Gefahr für die Aktienmärkte. Insbesondere in der Euro-Zone kann jedoch angesichts einer Inflationsrate von zuletzt 1,3 Prozent von einer Reflationierung noch keine Rede sein. Vor 2019 dürfte sich daher in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank nichts ändern. Schließlich könnte der zunehmende Fachkräftemangel in Deutschland das Waren- und Dienstleistungsangebot begrenzen. Doch dabei handelt es sich um ein Luxusproblem.

Starker Konsum

Außerdem trägt der Fachkräftemangel dazu bei, dass die Bruttolöhne stark steigen, was für eine robuste Binnenkonjunktur sorgt. In diesem Jahr dürfte der Konsum knapp einen Prozentpunkt zum Wachstum beitragen, nächstes Jahr sogar etwas mehr. Dazu kommen die weiterhin hohen Bauinvestitionen.

Schließlich wachsen auch die Exporte kräftig. Neben der starken Verfassung der Weltwirtschaft liefert hier die jüngste Abwertung des Euro Unterstützung. Nachdem die Gemeinschaftswährung rund ein Jahr lang gestiegen war und die Exporte aus der Euro-Zone verteuert hatte, hat sie seit Anfang Februar im Vergleich zum US-Dollar wieder mehr als 6 Prozent an Wert verloren. Insofern sind die Voraussetzungen für eine Fortsetzung des deutschen Wirtschaftsaufschwungs günstig. Und Aktien-Anleger brauchen sich um den Rückgang des ifo Geschäftsklimas nicht sorgen.

Burkhard Allgeier hält die Position als Chief Investment Officer (CIO) von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und easyfolio inne.

 

 

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