Die Aussichten für Aktien sind durchmischt

Die Aussichten für Aktien sind durchmischt

Die Schwankungen an den Aktienmärkten haben in der ersten Hälfte des laufenden Jahres spürbar zugenommen. Im Februar waren es – ausgehend von den USA – Inflationssorgen und Zinsängste, die die Anleger beunruhigten. Im März belasteten möglicherweise eskalierende Handelsstreitigkeiten die Stimmung an den Aktienmärkten. Im Mai sorgte dann die schwierige Regierungsbildung in Italien durch die europakritische „Lega“ und die „Fünf-Sterne-Bewegung“ für Unruhe, bevor im Juni der Handelskonflikt zwischen den USA auf der einen Seite und Europa und China auf der anderen Seite wieder in den Vordergrund trat.

Angesichts dieses Mix aus Risiken verlor der deutsche Aktienindex DAX in den ersten sechs Monaten 2018 knapp fünf Prozent an Wert. Der EuroStoxx 50 verlor drei Prozent an Wert. Amerikanische Aktien liefen dagegen deutlich besser. Der S&P 500, der die 500 größten in den USA börsennotierten Aktien umfasst, schloss nach dem ersten Halbjahr leicht im Plus. Der Technologieindex NASDAQ konnte sogar rund zehn Prozent zulegen.

Nun stellt sich die Frage, was die zweite Jahreshälfte bringt. Bleibt die Konjunktur dynamisch genug, damit die Unternehmen mit steigenden Gewinnen an den Börsen für höhere Aktienkurse sorgen? Schafft die Europäische Zentralbank den sanften Ausstieg aus ihrer ultra-lockeren Geldpolitik? Und gelingt es doch noch, einen Handelskrieg zwischen den USA und dem Rest der Welt zu verhindern? Das sind nur die drängendsten offenen Punkte.

Robuste Konjunktur

Der wichtige Konjunkturindikator ifo-Index ist in Deutschland im Juni erneut gefallen. Nach fünf rückläufigen Monaten hatte er sich zuvor im Mai zumindest stabilisiert. Dennoch spricht mehr für eine zwischenzeitliche Abschwächung der Konjunktur als für einen nachhaltigen Abschwung. Die Beschäftigungslage ist in Deutschland gut. Gleichzeitig steigen die Nettolöhne. Beides unterstützt den Binnenkonsum. Vor diesem Hintergrund dürften die Unternehmen ihre Investitionspläne kaum kürzen.

Angesichts der derzeit brummenden Weltkonjunktur und des zuletzt schwächeren Euros dürften auch die Exporte in den kommenden Monaten gut laufen. In den USA ist der Arbeitsmarkt sogar so gut wie leergefegt. Dazu kommen noch die Impulse durch die Steuersenkungen durch die Regierung von US-Präsident Donald Trump. Unter dem Strich dürften die europäischen Unternehmen auf Sicht der kommenden zwölf Monate ihre Gewinne um rund acht Prozent steigern. In den USA ist die Dynamik noch höher – hier ist ein Gewinnplus von rund zwölf Prozent drin. Bei unveränderten Kurs-Gewinn-Verhältnissen könnte das für ansehnliche Kursgewinne bei Aktien führen.

Die Risiken für die Konjunktur

Allerdings sind in den vergangenen Monaten die konjunkturellen Risiken gestiegen. Das größte ist wahrscheinlich, dass der Handelsstreit der USA mit Europa und China eskaliert. Das könnte globale Lieferketten empfindlich stören, die Stimmung unter Konsumenten und Produzenten eintrüben und Ausgabenpläne belasten. Eine echte Eskalation ist möglich, wäre jedoch für alle Beteiligten verlustreich und ist daher unwahrscheinlich. Im Übrigen geht es den USA nicht zuletzt um den (berechtigten) Schutz geistigen Eigentums samt Erschwerung des Technologietransfers an ausländische (chinesische) Wettbewerber.

Der zweite Risikofaktor für die Konjunktur ist die amerikanische Notenbank Fed. Sollte sie aufgrund von Inflationssorgen die Leitzinsen zu schnell und stark erhöhen, könnte sie die Konjunktur abwürgen. Angesichts einer Arbeitslosenquote von weniger als vier Prozent herrscht in den USA nach offizieller Lesart fast Vollbeschäftigung. Das ist die typische Grundlage für eine Lohn-Preis-Spirale. Die Fed hat jedoch neulich angedeutet, ein Überschreiten ihres Inflationsziels von rund zwei Prozent zwischenzeitlich zu tolerieren. Vor diesem Hintergrund ist es durchaus möglich, dass die amerikanischen Währungshüter sich mit weiteren Zinserhöhungen etwas zurückhalten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erst kürzlich den Ausstieg ihres Anleihekaufprogramms für Ende des Jahres angekündigt. Ein erster Zinsschritt ist in Europa nicht vor Herbst 2019 zu erwarten. Die Aktienmärkte bewegen sich derzeit in einem Spannungsfeld mit guten Gewinnaussichten der Unternehmen auf der einen Seite und einem drohenden Handelskrieg sowie einer zuletzt zurückgegangenen Konjunkturdynamik in Europa auf der anderen Seite. Dazu kommen noch politische Risiken wie die in Italien. Vor diesem Hintergrund sind Aktien erst einmal neutral zu gewichten.

Burkhard Allgeier hält die Position als Chief Investment Officer (CIO) von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und easyfolio inne.

 

 

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