easyfolio Kapitalmarktausblick 2021

easyfolio Kapitalmarktausblick 2021

2021 wird das Jahr nach Corona, zumindest aber das Jahr nachdem der Corona-Impfstoff entwickelt wurde. Der easyfolio Kapitalmarktausblick 2021 rechnet mit einer starken Erholung. In Europa wird der Start zunächst jedoch vermutlich holprig.

Das zurückliegende Jahr war vor allem durch die Corona-Pandemie geprägt. Signifikante Einbrüche der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung sowie immer wieder steigende Infektionszahlen waren ein ständiger Begleiter. Während im Verlustbegrenzungs-Modus Ende Q1 alles verkauft wurde (Aktien, Renten, Gold, Bitcoin), folgten mit dem zweiten Quartal wieder aufwärts gerichtete Kurse. Die Bewegung entsprach einer klassischen V-Erholung, vor allem getragen von massiven Fiskalprogrammen und der ultra-expansiven Geldpolitik der großen Notenbanken.

Starke Erholung der Weltwirtschaft

Für 2021 erwarten wir weltweit eine ausgeprägte wirtschaftliche Erholung. Wie schnell das Licht am Ende des Tunnels erreichbar sein wird, lässt sich angesichts der zu Jahresende wieder steigenden Infektionszahlen jedoch nur schwer beantworten. Aufgrund der neuen harten Lockdowns erwarten wir für Deutschland als auch für den europäischen Wirtschaftsraum als Ganzes im Schlussquartal 2020 sowie im Startquartal 2021 leicht negative Wachstumsraten; eine neuerliche Rezession („double dip“) ist somit unausweichlich. In Abhängigkeit der Impfstoff-Logistik und der Neuinfektionszahlen ist eine vollständige Lockerung der restriktiven gesundheitspolitischen Maßnahmen nicht vor Q2 zu erwarten. Ab dem zweiten Halbjahr 2021 – unter der Annahme einer „ungestörten“ Impfdurchführung – sollte dann die Nachfrage der privaten Haushalte nach Gütern und Dienstleistungen stärker anziehen (partielle Nachholeffekte).

Holpriger Start in Europa

Für Europa erwarten wir also zunächst eine holprige Wirtschaftsentwicklung im ersten Halbjahr, gefolgt von größerer Dynamik ab dem zweiten Halbjahr 2021. Für die Regionen USA und Asien-Pazifik prognostizieren wir dagegen eine schnellere und kräftigere Erholung. Insbesondere China, dessen Wirtschaft im vierten Quartal 2020 schon wieder regelrecht brummt, ist für die asiatische Region ein Wachstumstreiber.

Das Weltwirtschaftswachstum in 2021 sollte laut Internationalem Währungsfonds (IWF) bei rund 5% liegen, getrieben von den Schwellenländern. Risiken bleiben der harte Brexit, die Pandemie mit möglichen neuen Wellen und die Umsetzung der angekündigten Fiskalprogramme. Auch in 2021 werden die Notenbanken deutlich unterstützend bleiben. Die angekündigten Programme werden uns für mindestens 2021 begleiten. Was positiv für die Märkte um (europäische) Staatsanleihen sein sollte, einhergehend mit einem schwächeren US-Dollar. Möglicherweise gelingt es einigen Währungen wie etwa den skandinavischen oder den kleineren Währungen des Dollar-Raumes etwas an Wert zu gewinnen.

Die Inflation holt nach was 2020 verpasst wurde

Erste Inflationseffekte dürften Anfang 2021 sichtbar werden, da die Preisbarometer in 2020 unter verzerrenden Corona-bedingten Messeffekten „litten“. Der gestiegene Ölpreis und der Wegfall der Mehrwertsteuerreduktion in Deutschland dürften die aus volkswirtschaftlicher Sicht wichtigen Einkaufsmanager-Indizes beiderseits des Atlantiks um jeweils einen Prozentpunkt nach oben hieven. Einen grundsätzlich nachhaltigen Aufwärtsdruck bei den Konsumentenpreisen ab 2021 erwarten wir indes nicht. Die globalen strukturellen Faktoren, die bereits vor Covid-19 preisdämpfend gewirkt hatten, entfalten weiter ihre Wirkung. Zudem dürften sich die aktuellen gesamtwirtschaftlichen Produktionslücken nur langsam wieder schließen; einhergehend mit einer anhaltenden Arbeitsmarktschwäche und damit nur moderater Lohnentwicklung.

Die Notenbanken stützen den Aktienmarkt

Für den Aktienmarkt spricht weiterhin die massive geld- und fiskalpolitische Unterstützung der Notenbanken. Sowohl bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Europa, als auch der Federal Reserve Bank (FED) in den USA ist weiterer Ausbau der Maßnahmen nicht ausgeschlossen sind. Auch die Alternativlosigkeit von Aktien spricht für dieses Segment. Eine Verbesserung der Wirtschaft und der Gewinne – wie wir sie teilweise schon in China sehen – spricht letztendlich auch für ein eher gutes Aktienjahr. Die Bewertung der Aktienmärkte ist angesichts des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes kein Grund zur Sorge. Denn der starke und wohl dauerhafte Rückgang der Zinsen rechtfertigt die hohen Kurse aus bewertungstechnischer Sicht. Dieser Umstand erklärt unter anderem die starke Wertentwicklung der Tech-Aktien in 2020. Allerdings steht den mittelfristigen Gewinnen gegenüber, dass der Schaden aus den Corona-Nachwehen noch nicht beziffert werden kann. Möglicherweise werden wir in einigen Sektoren deutlich negative Gewinnanpassungen sehen.

Angesichts der Billionen (1 Billion = 1.000 Millarden) schweren Rettungsprogramme von Notenbanken und Regierungen im Rahmen der Coronakrise steigt die Nachfrage des „sicheren Hafens“ Gold weiter. Dem tragen wir in den easyfolios mit einer Goldminenbeimischung Rechnung.  Ängste um Inflation, Währungszerfall oder Zahlungsausfälle von Staaten sollten ebenfalls positiv auf den Goldpreis wirken.

In Summe bedeutet dies, das Konzept des breiten Anlegens vor allem auf der Aktienseite wird beibehalten. Wir schauen konstruktiv in ein spannendes und wahrscheinlich ebenfalls nachrichtenreiches Jahr 2021. Dagegen wird auf der Rentenseite vor allem der Kapitalerhalt über Staatsanleihen (mit Währungskomponente) und über qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen angestrebt. 

 

Portfolio Manger Christian Gombert

Weitere interessante Artikel

  • Biden vs. Trump 2020 – Das erwartet Anleger nach der US-Wahl Schlechte Umfragewerte hin oder her: Donald Trump abzuschreiben war noch nie eine gute Idee. Ob es für Herausforderer Joe Biden tatsächlich reicht, bleibt außerdem womöglich über Wochen ungeklärt. Welche Szenarien wahrscheinlich sind und was sie aus Anlegersicht bedeuten, beleuchten wir […]
  • easyfolio-Marktbericht 3. Quartal 2014 An den Aktienmärkten nahm im 3. Quartal die Volatilität erheblich zu. Zahlreiche Krisen sowie negative Konjunkturdaten aus Deutschland, Europa und teilweise auch China belasteten den Markt. Für Unruhe sorgte so der sich verschärfende Konflikt der EU mit Russland infolge der […]