Ein Jahr nach dem Corona-Crash

Ein Jahr nach dem Corona-Crash

Vor einem guten Jahr erreichten die Aktienmärkte ihren Tiefstand in der Corona-Baisse. Danach setzte wie bekannt eine deutliche Kurserholung ein. Aber: kann sie sich fortsetzen? Was spricht dagegen, was dafür? Wenn die Geschichte ein Ratgeber ist, ist der Aufwärtstrend nicht beendet. Auch im zweiten Jahr nach einem kräftigen Ausverkauf an den Aktienmärkten, waren Kurssteigerungen zu sehen.

Das erste Jahr ist das beste

Blickt man auf den führenden Aktienindex der Welt – den US-amerikanischen S&P 500 – zeigt sich in einer längeren Betrachtung ein bezeichnendes Muster. Seit 1957 verzeichnete der S&P elf so genannte Bärenmärkte, also Phasen mit Verlusten größer als 20%, ausgehend vom zuvor erreichten Hoch. Im Durchschnitt stieg der S&P im ersten Jahr nach dem Tief um gut 42%. Seit dem 23. März 2020 aber um rund 75%. Der außergewöhnliche Rückenwind von Geld- und Fiskalpolitik hat hier seine Wirkung eindrucksvoll entfaltet. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers 2009 betrug der Anstieg rund 69%.

Das zweite Jahr ist positiv – aber Volatil

Das zweite Jahr nach dem Tief – es hat gerade begonnen – ist in der Regel mit geringeren Zuwächsen gesegnet gewesen. Im Schnitt aber immerhin noch knapp 13%; 2010/11, also im Jahr 2 nach der Lehman-Pleite waren es fast 16%. Oftmals zeigten sich in dieser Phase aber die typischen Eigenschaften der Aktienmärkte besonders: die Schwankungen nahmen zu, Rücksetzer konnten durchaus kräftiger ausfallen. Im Schnitt waren es in den hier betrachteten elf Phasen 10%, im zweiten Jahr nach der Lehman-Pleite kam es beim S&P zu einem größeren Rücksetzer. Der Markt gab zwischenzeitlich um 17% nach. Soviel zur Geschichte.

2021: Gute Wirtschaft, gute Märkte?

Wenn wie geschildert die Vergangenheit zur Wirklichkeit in 2021 werden sollte, würden viele bedeutende Aktienmarkt-Indizes neue Hochs erklimmen. Einige wichtige Rahmenbedingungen dafür müssen jedoch auch erfüllt sein.

1. Am wichtigsten: Anzeichen eines wirtschaftlichen Abschwungs oder einer handfesten Rezession darf es nicht geben. Danach sieht es in diesem als auch im nächsten Jahr nicht aus. So soll das Wachstum der Weltwirtschaft laut OECD dieses Jahr bei 5,6% liegen.

2. Außerdem darf nicht zu viel Gegenwind von der Zinsseite kommen. Dass es zu vorübergehend steigenden Verbraucherpreisen in diesem Jahr kommen wird (Stichworte: steigender Ölpreis, Ende der Mehrwertsteuersenkung) ist so gut wie sicher. Wenn es nur vorübergehende Erscheinungen sind, sollte das weder dazu führen, dass die Märkte beginnen, das Ende der expansiven Geldpolitik einzupreisen.

3. Schließlich sollte für steigende Aktienmärkte der Gewinnzyklus intakt bleiben. Dieser wiederum ist eng mit dem Konjunkturzyklus verknüpft. Die Gewinnschätzungen für 2021 sind beiderseits des Atlantiks solide. Für Europa, gemessen am Euro Stoxx 600 (beinhaltet die 600 größten Unternehmen Europas), liegen die Schätzungen fürs laufende Jahr über denen für den US-Markt (gemessen anhand des S&P 500). 2022 soll sich dieses Verhältnis dann umkehren, so dass mit einem höheren Gewinnzuwachs für den US-Markt gerechnet wird. Alles in allem sind die Voraussetzungen also gegeben, dass die wichtigsten Aktienindizes einen moderaten Aufwärtstrend in diesem Jahr verfolgen werden. Bricht jedoch eine der Bedingungen weg, wird sich dieses Aktienjahr in die Geschichte einordnen und mit – auch nennenswerten – Korrekturen aufwarten.

Es spricht also einiges dafür, dass 2021 auch weiterhin ein gutes Börsenjahr wird. Vorsicht ist trotzdem geboten. Fest steht auf jeden Fall, dass easyfolio-Anleger die Entwicklung zwar gespannt von der Seitenlinie verfolgen können, sich dabei aber zurücklehnen können. Dank der weltweiten Allokation sind die Portfolios breit aufgestellt und für die Entwicklungen der Zukunft gewappnet.

Daniel Winkler, Portfolio Manager

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