Gold glänzt wieder

Gold glänzt wieder

Seit Ende Februar ist die Welt an den Kapitalmärkten eine andere. Ein Krisengewinner ist in diesem Umfeld die Anlageklasse Gold. Seit Jahresanfang konnte der Goldpreis rund 11 % zulegen. Damit war ein Investment in physisches Gold deutlich erfolgreicher als beispielsweise in Aktien oder in festverzinsliche Wertpapiere.

Der Goldpreisanstieg lässt sich durch eine Vielzahl von Entwicklungen fundamental begründen. In erster Linie ist die im Zuge des öffentlichen Stillstands eingetretene ökonomische Abkühlung zu nennen. Eine schnelle Erholung wie sie von vielen Marktteilnehmern erwartet wird ist keineswegs ausgemacht. Selbst im Falle des Ausbleibens einer weiteren dynamischen Entwicklung von Neuinfektionen sind die Zweitrundeneffekte des über mehrere Wochen andauernden Angebotsschocks weitestgehend unklar. Abnehmende Beschäftigungszahlen, Kreditausfälle oder auch eine Vielzahl von Unternehmensinsolvenzen sind nur einige der denkbaren weiteren Konsequenzen des Stillstands.

Gold gilt als sicherer Hafen

Warum profitiert Gold von Krisen? Zum einen gilt Gold als sicherer Hafen, als ultimative Währung mit der wahrscheinlich längsten Historie. Gold wird dann gekauft, wenn das Vertrauen in Politik und risikoreichere Anlageklassen schwindet. Daneben gilt Gold als Schutz vor Inflation – wird also in Zeiten steigender Verbraucherpreise überproportional nachgefragt. Denn Gold hat durch seine physische Knappheit einen intrinsischen Wert und verkörpert damit seit jeher Beständigkeit in der Wertanlage.

Daneben profitiert Gold von den Krisen-Hilfsmaßnahmen staatlicher Stellen. Die Umsetzung ultraexpansiver geld- und fiskalpolitischer Maßnahmen als Antwort auf den konjunkturellen Einbruch war auch in dieser Krise ein weiterer Katalysator für den Preisanstieg des Edelmetalls. Insbesondere die Notenbankinterventionen wie Zinssenkungen und Anleiheankaufprogramme haben die Opportunitätskosten von Gold gesenkt.

Der kurzzeitige Preisrückgang im März war dagegen – wie im Übrigen der vorübergehende Rückgang bei den Anleihepreisen bester Bonität – der Tatsache geschuldet, dass einige Marktteilnehmer Gewinne realisieren und Liquidität schaffen wollten. Der Weg des geringsten Widerstandes für Gold ist der weiter nach oben.

Goldminenbetreiber profitieren vom Preisantieg

Während Gold wieder glänzt, profitieren auch börsengelistete Goldminen. Die Aktienkurse von Unternehmen wie Barrick Gold, Newmont oder Wheaton Precious konnten seit Jahresanfang zwischen 50% und 60% dazu gewinnen – und dass in Zeiten, in denen der Gesamtmarkt zweistellig verloren hat. Dies liegt vor allem daran, dass neben dem Goldpreis die Förderkosten und die Investitionsausgaben für die Bewertung wichtig sind. Die Förderkosten profitieren aktuell vom gesunkenen Ölpreis (Treibstoff- und Stromerzeugungskosten) und der Schwäche von Rohstoffwährungen. Die Kapazitätsdisziplin zeigt sich in den getätigten Investitionen in neue Minen bzw. in der Erweiterung bestehender Förderproduktionen. Schon seit geraumer Zeit steigt das Goldangebot nicht mehr. Corona-bedingt lag die Förderung im ersten Quartal sogar bei -4%.  Dieses Umfeld spricht neben den höheren Goldpreisen auch für weiteres Kurspotential von Goldminen-Aktien.

Wir haben Mitte März die Allokation der easyfolio-Familie leicht geändert und tragen der größeren konjunkturellen Unsicherheit und dem Kurspotential von Goldminen mit dem iShares Gold Producer ETF Rechnung. Seit Aufnahme konnte dieses Wertpapier rund 60% an Wert gewinnen. Damit glänzt nicht nur Gold, sondern auch unsere easyfolios.

 

Autor: Christian Gombert, Portfoliomanager easyfolio 

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