Kapitalmarktausblick 2020

Kapitalmarktausblick 2020

Die Aktienmärkte gehen in das 11. Jahr des Aufschwungs. Und mit ihnen die globale Konjunktur. Zuletzt zeigte sie jedoch Ermüdungserscheinungen. Die Rezessionsgefahr scheint zwar vorerst abgewendet zu sein, gebannt ist sie freilich nicht. Die weltweite Verschuldung steigt munter weiter, nicht zuletzt von China getrieben. Dennoch sind und bleiben die Renditen selbst für bonitätsschwächere Schuldner niedrig. Das liegt auch an den Notenbanken. Denn sie haben den Exit von der lockeren Geldpolitik erst einmal weiter in die Zukunft verschoben. Das erfreut die Aktienmärkte und kommt gerade zur rechten Zeit, denn die Gewinnperspektiven einer Reihe von Unternehmen sind trüber geworden.

Ob 2020 ein ähnlich starkes Aktienjahr (wie 2019) wird, ist fraglich, denn die beste Zeit für Aktien ist die, wenn die Talsohle einer Rezession verlassen wird, Verluste von Unternehmen sich in ansehnliche Gewinne wandeln und die Notenbanken im Zinssenkungszyklus sind. Von diesen drei Bedingungen ist höchstens die letzte einigermaßen gegeben, und dies deswegen, weil die Notenbanken in einer Habacht-Stellung sind, um drohende konjunkturelle Abwärtsrisiken frühzeitig zu bekämpfen. Die Wachstumsgeschwindigkeit nimmt auch in diesem Jahr weiter ab und liegt im Falle Europas unter dem Potentialwachstum. Das schwächelnde verarbeitende Gewerbe lastet weiterhin auf den industrie- und exportgeprägten Volkswirtschaften wie der Deutschen. Für die USA ist in 2020 zunächst keine Rezession zu erwarten, aber auch die US-Wirtschaft zeigte sich zuletzt nicht mehr so robust wie in den Vorjahren. Die Wachstumsrate wird wohl unter 2 % rutschen. Hinzu kommen politische Herausforderungen. Der Brexit soll nun endlich geliefert werden. In den USA wird der Präsidentschaftswahlkampf in den nächsten Monaten immer mehr Fahrt aufnehmen. China versucht, die heimische Wirtschaft am Laufen zu halten, zugleich der Verschuldung im Privatsektor Herr zu werden und ist in Hongkong gefordert. Daneben bleibt der sino-amerikanische Handelskrieg wohl auch für 2020 eine Bürde für die Weltwirtschaft. Selbst ein vorläufiges Handelsabkommen der beiden größten Volkswirtschaften der Welt wird nicht darüber hinwegtäuschen können, dass sich der Konflikt zu einem kaum zu überwindenden geopolitischen Konkurrenzkampf entwickelt hat. So bleibt noch die Bewertung. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse mancher Aktienmärkte sind nicht mehr günstig, allerdings gemessen an den Wachstumsraten gerade der schwergewichtigen (Qualitäts-)unternehmen auch noch nicht überteuert. Das heißt die zukünftige Aktienkursentwicklung ist im Wesentlichen abhängig von der Gewinnentwicklung.  Es sieht aktuell nach einer Gewinnstabilisierung aus. Der Trend negativer Gewinnrevisionen scheint auszulaufen. Viele Analysten sind optimistisch und erwarten für den amerikanischen wie europäischen Markt fast zweistellige Gewinnzuwächse im nächsten Jahr. Das ist nicht unrealistisch, liegt aber auch daran, dass 2019 durch eine Gewinnrezession in den USA wie in Europa geprägt war.

Die Inflation dürfte in 2020 erneut nur eine Randerscheinung bleiben. Die aktuellen Inflationserwartungen bewegen sich in Europa deutlich unterhalb der von der Europäischen Zentralbank (EZB) gesetzten Zielmarke von nahe, aber unter 2 %. Mit einer Zinssenkung und der Reaktivierung der Anleihekäufe sind weitere expansive Schritte in den kommenden Monaten nur schwer vorstellbar. Die Kerninflationsrate zeigte sich von den Maßnahmen weitgehend unbeeindruckt und blieb bis zuletzt bei rund 1 %. Für 2020 sind derzeit keine Gründe zu erkennen, warum die Verbraucherpreise stärker anziehen sollten – es sei denn, der Ölpreis legt kräftig zu. In den USA ist man dagegen in der komfortablen Situation, dass die Kerninflationsrate um den Zielwert der Fed von rund 2% schwankt. Von der US-Zentralbank sind zum aktuellen Zeitpunkt keine Zinsschritte für 2020 geplant.

Dort, wo die Zentralbanken ihre Politikzinsen unter null Prozent gesetzt haben, sind die Renditekurven mit nach unten gerutscht. Da ein schneller geldpolitischer Richtungswechsel nicht sehr wahrscheinlich ist, wird sich auch 2020 die Renditelandschaft nicht wesentlich verändern. Inzwischen hat sich die Erwartung vieler Marktteilnehmer sogar verfestigt, dass das Niedrigzinsumfeld keine vorübergehende Erscheinung mehr ist. Auf der Flucht vor niedrigen Zinsen für Staatsanleihen wenden sich viele Anleger dem Markt für Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) zu. Das sorgt dort für mehr Nachfrage. Neben Corporates können Währungsanleihen in 2020 zusätzliche Rendite liefern. Eine markante US-Dollar-Schwäche erwarten wir im neuen Jahr nicht, der hohe US-Zinsvorteil stützt unverändert. Sollte die Fed aufgrund von wirtschaftlichen Schwächeanzeichen sich zu weiteren Zinsabsenkungen gezwungen sehen, würde dies vermutlich den Dollar sogar weiter stärken. Denn er ist eine typische antizyklische Währung mit Aufwertungstendenzen in schwachen Konjunkturphasen et vice versa. Möglicherweise gelingt es einigen Währungen, die im letzten Jahr Federn lassen mussten (etwa den skandinavischen oder den kleineren Währungen des Dollar-Raumes) etwas an Wert zu gewinnen.

Was bedeutet dies in aller Kürze für die easyfolios? Das Konzept des breiten Anlegens wird vor allem auf der Aktienseite beibehalten und wir schauen konstruktiv in ein spannendes und wahrscheinlich nachrichtenreiches Jahr 2020. Dagegen wird auf der Rentenseite vor allem der Kapitalerhalt über Staatsanleihen (mit Währungskomponente) und über qualitativ hochwertige Unternehmensanleihen angestrebt.

 

Autor: Christian Gombert, Portfoliomanager easyfolio

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