Kursrisiko Türkei

Kursrisiko Türkei

Der Absturz der türkischen Lira belastet die internationalen Finanzmärkte. US-Präsident Donald Trump hat sich darüber verärgert gezeigt, dass in der Türkei ein amerikanischer Pastor unter Hausarrest steht und Mitte August die Einfuhrzölle für türkischen Stahl auf 50 Prozent verdoppelt. Die entsprechende Ankündigung kam wieder einmal per Tweet. Daraufhin brach die türkische Lira massiv ein. Befürchtungen wurden laut, für türkische Banken und Unternehmen könnte es schwer werden, ihre Dollar- und Euroschulden zu begleichen. Teurer wird es für sie aufgrund der stark abgewerteten Lira auf jeden Fall. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) belaufen sich die türkischen Auslandsschulden mittlerweile auf mehr als die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Jetzt herrscht in Europa wieder Angst vor einer Bankenkrise. Vor allem spanische Kreditinstitute sind in einem nennenswerten Umfang in der Türkei engagiert. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beläuft sich allein das Kreditvolumen Spaniens auf 82 Milliarden Euro.

Wahrscheinlich wäre es am besten, wenn der IWF unterstützend eingreift, um einen wirtschaftlichen Kollaps der Türkei zu verhindern. Es gibt Gerüchte, dass bereits entsprechende Hintergrundgespräche geführt werden – bestätigt sind sie bislang nicht. Der IWF hatte schon 2001 die Türkei erfolgreich aus einer schweren Wirtschaftskrise gerettet.

Trump hat wieder einmal mit seinen auf Twitter angekündigten Maßnahmen die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten spürbar belastet. Zuvor hatte der schrittweise eskalierte Handelsstreit zwischen den USA und vor allem China immer wieder die Kurse nach unten gedrückt. Dasselbe gilt für den Konflikt mit dem Iran wegen dessen Atomprogramm. Das Börsen-Bonmot: „Politische Börsen haben kurze Beine“ gilt 2018 bislang nicht. Im Gegenteil: Seit der Amtseinführung von Trump überlagern dessen Tweets regelmäßig die fundamentalen Fakten. Und da sieht es eigentlich derzeit recht gut aus.

Konjunktur brummt

Vor allem in den USA, der immer noch größten Volkswirtschaft der Welt, läuft die Konjunktur rund. Angefacht durch die Steuersenkung hat sich das Wachstum der US-Wirtschaft zuletzt auf eine annualisierte Rate von rund vier Prozent beschleunigt. Davon profitieren natürlich die Unternehmen.

Die Ergebnisse vor allem der US-Firmen für das erste Halbjahr haben auf breiter Front positiv überrascht. Europa entwickelt sich zwar weniger dynamisch, verfügt jedoch über Nachholpotenzial. In Deutschland legte das BIP im zweiten Quartal verglichen mit den ersten drei Monaten mit 0,5 Prozent bereits etwas stärker zu als erwartet.

Die Aktienmärkte bewegen sich somit in einem Spannungsfeld – bestehend aus geopolitischen Risiken auf der einen und einem guten konjunkturellen Umfeld auf der anderen Seite. Marktteilnehmer befürchten, dass die Schwierigkeiten der Türkei auf andere Schwellenländer übergreifen könnten. Die Währungen in Argentinien, Brasilien oder Südafrika gaben bereits spürbar nach.

Es besteht jedoch auch die Chance, dass Störfaktoren wie die Handelsstreitigkeiten und politische Unsicherheiten wieder zurückgedrängt werden und das gute konjunkturelle Umfeld wieder stärker in den Vordergrund tritt. Die Einschätzung, dass die flache US-Zinskurve ein Vorbote einer drohenden Rezession ist, teilen wir nicht. Denn noch liegen die langfristigen Zinsen über den kurzfristigen. Eine Rezession folgte in der Vergangenheit jedoch eigentlich immer nur dann, wenn die langfristigen unter den kurzfristigen Zinsen lagen.

Zudem sind sowohl das das nominale als auch das reale Zinsniveau auch in den Vereinigten Staaten noch niedrig und stimulieren somit das Wirtschaftswachstum. Schließlich drückt hohe Nachfrage nach erstklassigen Staatsanleihen („safe assets“) das Zinsniveau am langen Ende. Die flache US-Zinskurve spiegelt somit veränderte Marktbedingungen wider, was die Eigenschaft als guter Rezession-Indikator schwächt.

Beim Abwägen aller Risiken und Chancen raten wir weiter zu einer neutralen Gewichtung von Aktien. Die Zeit, in der den Märkten eine klare Richtung fehlt, dürfte noch etwas anhalten.

Burkhard Allgeier hält die Position als Chief Investment Officer (CIO) von Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und easyfolio inne.

 

 

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