Länderallokation: Gewichtung nach Marktkapitalisierung oder BIP?

Länderallokation: Gewichtung nach Marktkapitalisierung oder BIP?

easyfolio verfolgt eine ETF-basierte Anlagestrategie, dessen Ziel es ist, Anleger einfach und transparent am weltweiten Wirtschaftswachstum teilhaben zu lassen. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze, wie das Anlagekapital auf einzelne Länder und Regionen aufgeteilt werden kann, um die globale Wirtschaftsleistung möglichst akkurat wiederzugeben. In diesem Artikel stellen wir zwei Methoden der Länderallokation vor, die Allokation nach Marktkapitalisierung und die Allokation nach Bruttoinlandsproduktes (BIP), und beleuchten die jeweiligen Vor- und Nachteile.

Gewichtung nach Marktkapitalisierung

Eine verbreitete Methode der Länderallokation liegt in der Gewichtung nach Marktkapitalisierung. Traditionell wird die Marktkapitalisierung herangezogen, um die Größe der Kapitalmärkte einzelner Länder zu erfassen und ihren Anteil am weltweiten Kapitalmarkt zu ermitteln. Die Marktkapitalisierung eines Landes ist dabei als der Gesamtwert der in diesem Land an der Börse gehandelten Unternehmen zu verstehen. Demgemäß bildet die Marktkapitalisierung eines einzelnen Unternehmens die Anzahl seiner im Freihandel (engl. „free float“) befindlichen Anteile, multipliziert mit dem aktuellen Kurswert der Aktie, ab. Die Marktkapitalisierung beschreibt also den Wert eines börsennotierten Unternehmens in Abhängigkeit von der gegenwärtigen, sich stetig verändernden Marktlage. Als Näherung für die Größe des Kapitalmarktes eines Landes kann daher der Wert der in diesem Land gehandelten Unternehmen herangezogen werden.

Gemessen an der Marktkapitalisierung liegt der größte Kapitalmarkt der Welt in den USA, was an der schieren Anzahl und Größe der Aktienunternehmen liegt, die dort gehandelt werden. In der Praxis lässt sich diese Dominanz der US-Aktien anhand des bekannten MSCI World Index erklären, welcher rund 1.650 Aktientitel aus 23 Industrieländern enthält und diese Länder nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Der Anteil an US-Aktien im MSCI World Index liegt bei knapp 60 Prozent, gefolgt von Japan mit rund 8,5 Prozent und Großbritannien mit einem Anteil von etwas über 7,0 Prozent. Der Anteil von Deutschland liegt dagegen bei nur rund 3 Prozent. Die Entwicklung dieses Index ist also stark von der Entwicklung des Aktienmarktes in den USA abhängig.

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Diese Beobachtung lässt sich ebenfalls auf andere Indizes übertragen, wie z. B. den MSCI All Country World (ACWI) Index. Dieser Index berücksichtigt neben den 23 Industrieländern auch 23 Entwicklungsländer und enthält knapp 2.500 Aktientitel. Der Index ist damit eine gute Näherung für die Länderaufteilung des weltweiten Aktienmarktes. Doch auch hier überwiegen US-Aktien mit einem Anteil von über 50 Prozent. Beide Indizes zeichnen damit ein einheitliches Bild: Gemessen an der Marktkapitalisierung sind die USA nach wie vor der größte Aktienmarkt der Welt. Im Vergleich zu ihrer Wirtschaftsleistung erhalten die Schwellenländer dagegen ein geringes Gewicht.

BIP-Gewichtung

Betrachtet man anstatt der Marktkapitalisierung das Bruttoinlandsprodukt, so ergibt sich ein differenzierteres Bild, da hier die Wirtschaftskraft in den Vordergrund rückt. Um die Wirtschaftsleistung eines Landes zu messen, wird in der Regel das BIP herangezogen. Das BIPoder auch „Gross Domestic Product“ (GDP) spiegelt den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen wider, die über den Zeitraum eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt werden. Das BIP gilt unter Marktteilnehmern als eine der wichtigsten Kennzahlen überhaupt und wird als Messgröße für das Wachstum von Ländern und ganzer Regionen herangezogen.

Die Weltbank veröffentlicht regelmäßig Statistiken zur Wirtschaftsleistung der einzelnen Länder und Wirtschaftsräume. Zieht man diese Statistiken heran, so sind die USA nach wie vor die größte Volkswirtschaft der Welt, dicht gefolgt von China, Japan, Deutschland und Großbritannien. Der Anteil der USA am weltweiten BIP ist jedoch deutlich geringer als ihr Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung und mit knapp 25 Prozent weniger als halb so hoch. Dieser Unterschied ergibt sich aus der Tatsache, dass die Kapitalmärkte gerade in vielen Schwellenländern noch nicht hinreichend entwickelt sind und Unternehmen aus diesen Ländern den Handel in den USA und Europa vorziehen.

Nichtsdestotrotz weisen die Schwellenländer einen steigenden Anteil an der weltweiten Wirtschaftskraft auf und haben häufig ein höheres Wirtschaftswachstum als die Industrieländer. Diese Entwicklung betrifft insbesondere den asiatischen Wirtschaftsraum, allen voran die Volksrepublik China. Gerade in den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Gewichte deutlich in Richtung der Schwellenländer verschoben, und diese Entwicklung sollte in einem weltweit anlegenden Portfolio Berücksichtigung finden.

easyfolio-Anleger profitieren von der BIP-Methode

Es stehen also zwei Methoden zur Verfügung, um Länder in einem weltweit anlegenden Portfolio zu gewichten. Eine Gewichtung der Länder nach ihrer Marktkapitalisierung spiegelt den weltweiten Kapitalmarkt genauer wider. Allerdings fließt die Wirtschaftsleistung der Unternehmen, die nicht an einer Börse gehandelt werden, nicht in diese Berechnung mit ein. Gerade in Deutschland sind es aber nicht allein die börsennotierten, sondern vor allem die mittelständischen Unternehmen, die als wichtige Treiber des Wirtschaftswachstums gelten. Alle Unternehmen in einem Land tragen zur Wirtschaftsleistung bei, unabhängig davon ob sie für öffentliche oder nur für private Investoren zugänglich sind. Auch sind viele Märkte in den Schwellenländern noch nicht hinreichend entwickelt, nicht liquide und stehen Investoren dadurch nur eingeschränkt zur Verfügung. Hier bietet die BIP-Methode einen entscheidenden Vorteil, indem sie die Wirtschaftsleistung aller Unternehmen in einem Land berücksichtigt. Dadurch erhalten gerade aufstrebende Schwellenländer ein höheres Gewicht, wodurch Anleger vom hohen Wirtschaftswachstum in diesen Regionen profitieren können. Obwohl die Kapitalmärkte in den Schwellenländern allgemein eine höhere Volatilität aufweisen, ermöglicht die BIP-Methode eine weitaus höhere Diversifikation.

Auch in den easyfolios werden die Anlagemärkte innerhalb der definierten Aktienquoten von 30, 50 und 70 Prozent einheitlich nach dem Bruttoinlandsprodukt gewichtet. Der Anteil der Länder und Regionen in den Portfolios bemisst sich daher an ihrem Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung. Diese Gewichtung ermöglicht ein ausgewogeneres Portfolio mit geringeren Klumpenrisiken, da vor allem die USA ein geringes Gewicht erhalten. Für die Berechnung der Gewichtung werden die offiziellen Angaben der Weltbank herangezogen. Um europäische Anleger vor einer zu hohen Gewichtung in den Schwellenländern zu schützen, beträgt deren Anteil maximal 25 Prozent.

Die hohe Diversifikation ermöglicht es easyfolio-Anlegern, vom weltweiten Wirtschaftswachstum zu profitieren – transparent, kosteneffizient und ohne unnötige Risiken einzugehen.

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Lennart Segler ist Portfolio Manager bei Hauck & Aufhäuser Privatbankiers und für die Steuerung der easyfolio-Strategien verantwortlich. Als ausgewiesener Experte für Investmentfonds kommentiert er in seinen Beiträgen die Entwicklung der easyfolios und beleuchtet interessante Fragestellungen aus dem Portfolio Management.

 

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