Quartalsrückblick Q2 2020

Quartalsrückblick Q2 2020

Noch vor wenigen Monaten versetzten die Aktienmärkte viele Anleger in Schrecken; vor Kurzem aber auf einmal ins Staunen. Die alten Kurshochs rückten Anfang Juni näher. Die Diskrepanz zu den Konjunkturdaten könnte jedoch kaum größer sein. Echtzeitschätzungen für die US-Wirtschaft signalisieren dort einen Einbruch der Wirtschaftsleistung im 2. Quartal um über 50 % – als annualisierte Rate wohlgemerkt. Auch in Europa werden die BIP-Zuwachsraten desaströs ausfallen. Kein Minus, sondern ein Plus von 50 % weisen dagegen manche Aktien auf – wenn man vom Tief Mitte März ausgeht. Die Aktienmärkte reagierten auf den Überbietungswettbewerb von Regierungen und Notenbanken bei den Rettungsprogrammen euphorisch. Die im Nasdaq versammelten Werte erreichten Anfang Juni sogar ein neues Allzeithoch. Vieles erweckte den Eindruck, als wäre die Rückkehr zur wirtschaftlichen Normalität fast wieder erreicht.

V, W, L oder U

Welche Formation werden Konjunktur und Aktienmärkte wohl annehmen? Das war vor einem guten Vierteljahr eine heiß diskutierte Frage. Die Aktienmärkte haben diese Frage bis heute mit ihrem geradezu phänomenalen Anstieg recht eindeutig beantwortet. Nach vorne gerichtet türmen sich aber einige Fragen auf. Die erste und mit eine der wichtigsten ist die Frage nach der Genesung von Konjunktur und Gewinnen. Die konjunkturellen Schäden zu reparieren wird dauern. Schätzungen der EZB zufolge wird im Normalszenario das vor Krisenbeginn herrschende gesamtwirtschaftliche Produktionsniveau wohl erst gegen Ende 2021 oder Anfang 2022 erreicht – die Unterstützungsmaßnahmen von Regierungen und Notenbanken – so sie bis heute bekannt sind – eingerechnet. Wenn diese zeitliche Projektion zutrifft, ist es nicht überraschend, dass auch die Aktienmärkte immer wieder Durststrecken vor sich haben werden. Die Gewinne im ersten Quartal waren deutlich rückläufig, das zweite Quartal wird vermutlich den Tiefpunkt der Gewinnentwicklung markieren. Die Visibilität hinsichtlich der weiteren Geschäftsaktivitäten ist und bleibt eingeschränkt. Ein gutes Drittel der Unternehmen in den USA und Europa wagt keinen oder nur einen sehr eingeschränkten Ausblick.

Notenbanken als “Lender of Last Resort”

Auf der Zinsseite sind Notenbanken mächtige Institutionen. Sie haben noch genügend Pfeile im Köcher. Im Zweifel agieren sie als „Kreditgeber der letzten Instanz“ (lender of last resort). Die im Zuge der Coronakrise neu geschaffenen Wertpapierkaufprogramme – nicht nur für Staats-, sondern auch für Unternehmensanleihen – der großen Notenbanken haben das eindrucksvoll bewiesen. Wieviel möglich ist, macht Japan vor. Das dortige staatliche Budgetdefizit dürfte in diesem Jahr etwa 20 % betragen, umfangreiche Kreditgarantien für den Unternehmenssektor eingerechnet könnte es sich sogar verdoppeln. Auswirkungen auf die japanische Renditelandschaft sind nicht zu befürchten. Die Bank of Japan übt eine wirksame Kontrolle auf das Renditeniveau aus und hält es bei rund 0 %. Die Zentralbankbilanzen sind mit den neu aufgelegten Notfallprogrammen geradezu explosionsartig angeschwollen. Das übt Druck auf das Zinsniveau aus. Die Renditen für Staatsanleihen bleiben daher niedrig, für die Peripherieländer der Europäischen Wirtschaftsunion dürften sie – wenn politische Störfeuer ausbleiben – sogar sinken. Gewinner der Notenbankpolitik waren, sind bis heute und dürften es noch eine Weile bleiben Unternehmensanleihen (Corporate Bonds). Ihre Renditeaufschläge sind massiv gesunken, je schlechter das Rating war. Auch dieser Prozess dürfte noch nicht beendet sein. Wenn Geldpolitiker wie der Präsident der US-Notenbank Fed betonen, dass man noch nicht einmal daran denkt, über Zinserhöhungen zu diskutieren, lässt dies den Schluss zu, dass die Periode ultra-niedriger Politikzinsen noch geraume Zeit anhält. Anleger stoßen daher früher oder später bei Suche nach Rendite auf zinsträchtigere Unternehmensanleihen.

Niedrige Zinsen, rasant steigende staatliche Defizite und immer neue Lockerungsschritte von Notenbanken sind nahezu perfekte Zutaten für einen steigenden Goldpreis. Wir erwarten bereits seit einiger Zeit den Test der alten Hochstände von 2011 bei über 2.000 US-Dollar pro Unze. Unsere Goldbeimischung bleibt daher unangetastet.

Und wie geht es weiter?

In Q2 konnte in Abhängigkeit der Aktienquote ein Wertzuwachs zwischen 6,6% (easyfolio 30) und 10,5% (easyfolio 70) erzielt werden. Das 2. Halbjahr 2020 wird nicht nur wegen der Pandemie und ihren vielfältigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen viele Ungewissheiten mit sich bringen. Für weitere unliebsame Überraschungen können unter anderem sorgen: die beginnende heiße Phase des US-Präsidentenwahlkampfes, die ungelösten Brexit-Verhandlungen, der Handelskonflikt zwischen den USA und China oder die Lage in Hongkong.

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